Freitag, 17. April 2015

Fairriester von Fairr.de und der Sutorbank im Test und Vergleich


(23.2.2016: Das Update zur Verrentung in Sachen Kooperation mit myLife findet ihr hier.)

Die Sutor Bank in Hamburg hat gemeinsam mit der Fairr.de Gmbh einen neuen Riester-Fondsparplan aufgelegt, der die Platzhirsche Union und DWS angreifen soll: "Fairriester". 

Von der Stiftung Finanztest wurde der "Fairriester" der Fairr.de GmbH bereits in einer Meldung als "vernünftige Lösung mit ETF" und als eine der "preiswertesten Möglichkeiten mit der Riesterförderung in Fonds zu investeren" bewertet - allerdings gibt es zu dem Angebot der fairr.de-GmbH dort bislang keinen Test.

Die eher vorsichtige Bewertung von Finanztest ("vernünftig") überrascht nicht - weil die Sutorbank branchenweit bekannt dafür ist, eher lukrative provisionsträchtige Modelle für Strukturvertriebe als "vernünftige" Produkte zu lancieren - hier zum Beispiel schön beschreiben in dem Artikel "SutorRiesterDepot - macht Vermittler froh!"

Also eine 180°-Kehrtwende? Wir haben uns das Angebot der Fairr-Gmbh einem genaueren Test und Vergleich unterzogen - und eine Überraschung erlebt.



Überblick: Vier "Fairriester"-Varianten für praktisch jedermann


Die Fairr.de Gmbh bietet den Tarif "Fairriester" gleich in vier Varianten an

  • "fairriester" (Ein Riester-Fondssparplan)
  • "fairriester flex" (Ein Fondssparplan "im Riestermantel" ohne staatliche Förderung für Selbständige, der als "besser als Rürup" angepriesen wird)
  • "fairriester junior" (Ja, Junior - hier könnten Kinder "riestern" - allerdings ohne Förderungen...)
  • "fairriester avwl" (Riester-Fondssparplan unter Einbezug der vermögenswirksamen Leistungen.

Und in der Zukunft soll noch "fairr bAV" und "fairrürup" dazukommen. 

Zu dem dem Thema Riestern ohne Förderung für Kinder und Selbständige machen wir noch einen eigenen Post - schauen wir uns im fairriester-Test und Vergleich heute erst einmal die "klassische" Riestervariante an: Den Fondssparplan "fairriester" der Fairr.de GmbH.

Vorteile: Transparenz und anfänglich hohe Vertragswerte

Die Kosten des fairriesters sind definitiv transparent und sehr übersichtlich gehalten:

Gebühren des fairriester-Tarifs von der fairr.de GmbH            Quelle: fairr.de

Dazu gibt es auch noch einen Gebührenrechner, der dir zeigt, wie hoch die Kosten sind.

Da "fairriester" seine Vertriebskosten nicht als Abschlusskosten in den ersten Jahren, sondern als zusätzliche Gebühr Jahr für Jahr vom Depot abzieht, kommt es sofort in den ersten Jahren (bei positivem Börsenverlauf) zu "fairriester"-Vertragsguthaben, die oberhalb der eingezahlten Beiträge liegen.

Bei einer Riesterrentenversicherung werden die Gebühren für die Gesamtlaufzeit üblicherweise in den ersten Vertragsjahren entnommen - so kommt es in den ersten Jahren zu geringeren Rückkaufswerten, als man eingezahlt hat.

Nachteile: Transparent heißt nicht kostengünstig und Riester nicht sicher

Versicherer berechnen die Kosten auf den Beitrag - "fairriester" berechnet seine Gebühren vom Depotguthaben. Die Kosten der fairr.de GmbH sehen geradezu "niedlich" aus: Bis hin zu "nur" 0,5% vom "fairriester"-Depotguthaben zuzüglich Kontoführungsgebühr. 

Rechnet man die fairriester-Kosten in unserem Test einmal auf den Beitrag zurück, sieht das schon anders aus. Ein Beispiel:


Der Eigenbeitrag beträgt 87,16 Euro - zuzüglich der Zulage von 154 Euro (also rund 12,83 Euro) also 100 Euro monatlich. Wir haben mit 6% gerechnet und es kommen nach Kosten 116.851 Euro aus dem Vertrag heraus.

Aber was für Kosten wären das auf den Beitrag bezogen? Wieder mal hilft uns Zinsen-berechnen.de: Auf den Beitrag zurückgerechnet habe ich über 15% Kosten! Hier die Berechnung.

Ein weiterer Nachteil ist, dass bei dem getesteten "fairriester" zwar Rentenberechnungen vorgenommen werden, diese aber vollkommen hypothetisch sind - es gibt noch keinen Versicherungspartner, der die spätere Verrentung übernimmt. Es soll einmal einer gesucht werden - aber noch ist keiner gefunden.

Der trockene Kommentar der fairr.de GmbH im Wall Street Journal
„Wenn die [Versicherungspartner] kommen, dann unterbreiten wir unseren Kunden die Angebote, damit sie dann wählen können. Und wenn einer sagt ‚Nein, finde ich alles blöd', dann ist das kein Problem – er kann kostenlos wegwechseln."
Dass es in der Praxis so einfach nicht ist, müssen die Riester-Banksparplansparer jetzt gerade leidvoll erfahren. Siehe diese Finanztest-Meldung vom 07.04.2015. Aber was langweilen wir uns mit der Realität.;)

Hinzu kommt, daß die fairr.de GmbH für ihren "fairriester" kein Sicherungskonzept hat - bis auf das Umschichten von risikoreicheren Anlagen auf sicherheitsorientiertere Anlagen im gesamten, langfristigen Verlauf des Vertrages und - wenn man sich verplant hat - die Garantie der Sutorbank zum Laufzeitende.

Das findet sich aber nur sehr verklausuliert und auch nur an einer Stelle auf Fairr.de:
Was passiert, wenn die Sutor Bank insolvent wird? Ist mein Geld dann weg?
"Nein, das Geld bleibt Dein Eigentum. Die Bank verwaltet es nur für Dich. Damit ist es von einer Insolvenz nicht betroffen. Die Bank ist auch für die Beitragsgarantie zuständig. Diese entfällt im Falle einer Insolvenz, Dein Fondsvermögen kannst Du aber auf einen anderen Anbieter übertragen." Quelle: fairr.de

Im Klartext: Sollte es also an der Börse schief gehen, muss die Sutorbank die Garantie darstellen - und zwar quasi "aus der Westentasche". Ist die Sutorbank vorher oder deswegen pleite, musst du dich mit dem Restguthaben im "fairriester"-Depot arrangieren. Deswegen ist die Finanzkraft der Sutorbank wichtig für unseren Test.

Kennst du die Sutorbank? Nein? Ist nicht schlimm - wenn ich nicht in der Branche arbeiten würde, würde ich sie auch nicht kennen.

Die Max Sutor Bank oHG ist dem Einlagensicherungsfonds deutscher Banken angeschlossen. Um euch mal eine Einschätzung zu geben, wieviel Kapital zur Sicherung dahintersteht, hier die Sicherungsgrenzen verschiedener Banken in der Übersicht:

Die Sutorbank liegt nur ein wenig über der zulässigen Eigenkapitalgrenze für Kreditinstitute.
Quelle: Bankenverband

Wenn eine renommierte Großbank eine Garantie abgibt, ist das eine Sache, beim Bankhaus Lampe wäre es zu überlegen, die AXA Bank ist rein für Tages-, Festgelder, Sparbriefe und Depots da (und ich glaube, da käme keiner auf die Idee, Garantien für Millionen und über Jahrzehnte abzugeben...). Mutige, kleine Sutor Bank. (Wer es nicht glauben kann: Die Sicherungsgrenzen könnt ihr hier abfragen. Die Sutorbank findet ihr unter "Max Heinrich Sutor oHG").

Überraschend: "Fairriester" und die AXA RelaxRiesterRente im Vergleich

Von wegen, versicherungsförmige Riesteranlagen sind zu "teuer". Im Vergleich mit der chancenorientierten Relax Riesterrente Chance (die ein Sicherungskonzept und einen solventen Versicherungspartner hat) und der Relax Riesterrente Classic (die sogar über eine jährliche Garantie des höchsten erreichten Guthabens verfügt) wird das deutlich.

Wenn laut Finanztest der "fairriester" eine der kostengünstigsten Möglichkeiten bei den Riester-Fondssplänen ist, dann können wir nur sagen: Es gibt bessere versicherungsförmige Möglichkeiten.

Auf den Punkt gebracht: Der vermeintlich günstige Fairriester der Fairr GmbH schneidet im Vergleich mit der Relax Riesterrente Chance deutlich schlechter ab - und zwar ganz "sauber" gerechnet. Die Relax Riesterrente Classic ist bei kürzeren Laufzeiten etwas "schlechter" - dafür aber durch ihre Höchststandsgarantie weitaus sicherer.


"fairriester"Relax Riester Rente "Chance"Relax Riester Rente "Classic"
EintrittsalterGarantierte RenteGesamtrenteGarantierte RenteGesamtrenteGarantierte RenteGesamtrente
250€664€143,47€762,48€143,47€678,04€
300€499€128,44€552,58€128,44€504,01€
350€370€112,95€396,54€112,95€369,71€
400€270€96,98€281,82€96,98€266,75€
450€190€80,50€195,92€80,50€187,57€
500€128€63,43€130,65€63,43€126,22€
Laufzeit bis 67. Lebensjahr, mittlere Wertentwicklung vor Kosten 6%, Bruttoeinkommen 30.000 Euro, Ziel: Mindesteigenbeitrag, daher Sparrate 100 Euro p.M. inkl. Zulage, erhöhte Startrente und höchste Verrentung beim fairriester, geboren jeweils am 1.4., Sparbeginn am 1.5. (um identische Laufzeit zu haben) Stand 4/2015

Kaum zu glauben? Rechnet doch einfach mal selbst unter fairr.de und mit unserem AXA Relax Kundenrechner und macht selbst den Test. 

Oder du forderst hier dein persönliches Angebot an.



Zu der Berechnung: Zum Vergleich mit der AXA Relax Riester-Rente achtet bei dem Tarif "Relax Rente Chance" darauf, als Anlagestrategie "Chance" anzuklicken und dann das "Portfolio Index" als Fonds auszuwählen und dort als mittlere Wertentwicklung statt 6% nur 4,75% einzugeben (damit die Kosten der Fondsverwaltung mit berücksichtigt werden). Damit kommen wir geldanlagetechnisch so nahe wie nur möglich an die ETF-Lösung des fairriesters heran. Die 6% bei der darüber befindlichen Indexentwicklung passen, die dortigen Kosten werden im Rahmen der Versicherung bereits berücksichtigt. Und unbedingt auch "Einmaliger zusätzlicher Beitrag" mit anklicken - das setzen die bei fairriester einfach voraus. Bei dem Fairriester nehmt an, dass die höchste Verrentung erfolgt und bei der AXA Police "erhöhte Startrente". Damit haben wir einen fairen Vergleich. 

Test-Fazit: Ein klares Nein zum "Riestern mit Startup"

So schön die Story von den "drei jungen Wilden", die eine Lösung ohne die bösen Banken und Versicherungen anstreben (bis sie die Realität einholt) auch klingen mag. So einfach es online auch dargestellt sein mag - unsere Empfehlung auf Grund des Tests ist ganz klar: Finger weg davon.

Die Gründe aus dem Test dazu in der Übersicht:
  • Durch die prozentualen jährlichen Kosten ist der Tarif gerade von der Anlagesicherheit teurer, als er scheint
  • Das Produkt ist unfertig: Die fairr.de GmbH hat nicht einmal einen für die lebenslange Verrentung notwendigen Versicherungspartner (Update 02/2016: Es gibt inzwischen einen Partner, der Artikel dazu folgt - vorab: Fairr berechnet nachweislich falsche Renten, vorsätzliche Augenwischerei "vom Feinsten" - Mehr dazu hier)
  • Die Geldanlage erfolgt ohne Sicherungskonzept. Langfristig wird auf sicherer umgeschichtet, aber wenn es kurzfristig an der Börse "knallt", gibt es keine eingebauten Sicherungsautomatismen und
  • Die Bank, die die Garantie am Ende der Laufzeit darstellen soll, ist - wie soll man es sagen - winzig
In den wirren Zeiten nach der Bankenkrise würde ich mein Geld für die Rente nicht jedermann anvertrauen. Die Versicherungen und Banken, mit denen ich persönlich meine Altersvorsorge, die über Jahrzehnte läuft, planen würde, kann ich an einer Hand abzählen. 

Die Sutorbank und ein Startup, das unfertige Produkte an den Markt bringt, gehört definitiv nicht dazu.

Noch Fragen? Kommentieren oder mailen - ich höre gerne von euch.

Viele Grüße,

Euer Mark
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