Samstag, 28. März 2015

Kein Erwerbsminderungsrentenanspruch nach Straftat


Wer aufgrund der Begehung einer Straftat erwerbsgemindert wird, sollte sich nicht auf die gesetzliche Rentenversicherung verlassen."Schön, aber was hat das mit mir zu tun?", magst du dir denken... Die Anwort: Hoffentlich nichts - aber mehr als du glaubst.

Der Fall vor Gericht


Im vorliegenden Fall verursachte ein alkoholisierter Autofahrer einen Unfall, bei dem er selbst so schwer verletzt wurde, daß er Anspruch auf Erwerbsminderungsrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung gehabt hätte. 

Die Rentenversicherung verweigerte jedoch die Leistung, da strafbares Verhalten nicht mit Leistungen aus der Solidargemeinschaft "belohnt" werden sollte. Der Versicherte klagte und verlor.

Die Begründung des Gerichts


Eine Rentenzahlung kann abgelehnt werden, wenn die Erwerbsminderung auf Grund der Ausübung einer strafbaren Handlung eingetreten ist, für die der Versicherte auch verurteilt wurde.Zudem hängt eine Ablehnung der Leistung auch von der Gesamtsituation ab: Die Schwere der Tat und die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse sind zu berücksichtigen.

Im Fall des Klägers gab es nicht nur ein rechtskräftiges Urteil, er fuhr zudem ohne Führerschein, den er wegen Trunkenheit am Steuer verloren hatte und der Unfall geschah selbstverschuldet ohne Fremdeinwirkung. Also ein Volltreffer im negativen Sinne.

Was hat das mit dir zu tun?


Ich gehe erstmal davon aus, dass Trunkenheitsfahrten und Banküberfälle bei dir nicht auf der ToDo-Liste stehen. Trotzdem macht das Urteil klar, dass auch Leistungen aus der gesetzlichen Sozialversicherung keine absolut "sichere Bank" sind.

Zudem wandelt sich die Rechtssprechung über die Jahre. Wo heute die besondere Schwere noch eine Rolle spielt, mag morgen allein die Verurteilung wegen strafbarer Handlung schon ausreichen. 

Dazu kommt, dass eine "strafbare Handlung" nicht mit einem "Verbrechen" verwechselt werden sollte - man muss keine Leute überfallen und auf der Flucht verletzt werden, um seinen Rentenanspruch zur Diskussion zu stellen. Auch kleinere Vergehen reichen für die Grundlage aus - und danach entscheidet sich das Ganze im Einzelfall.

Die privaten Versicherer sehen das Ganze noch enger


Die privaten Versicherer sehen das Ganze noch enger: Wer von euch Lust hat, schaue sich einmal die Muster Unfallversicherungs- und Berufsunfähigkeitsbedingungen des Gesamtverbandes der Versicherer an. Dort findet sich klar formuliert, dass man seinen Versicherungsschutz verliert, wenn man vorsätzlich eine Straftat ausführt oder versucht.

"Ausgeschlossen sind [...] Unfälle, die der versicherten Person dadurch zustoßen, dass sie vorsätzlich eine Straftat ausführt oder versucht." 
Musterbedingungen Unfallversicherung Gesamtverband der Versicherungswirtschaft 

"Es besteht kein Versicherungsschutz, wenn die Berufsunfähigkeit verursacht ist [...] durch vorsätzliche Ausführung oder den Versuch einer Straftat durch die versicherte Person [...]"
Musterbedingungen Berufsunfähigkeitsversicherung Gesamtverband der Versicherungswirtschaft

Eine solche Tat muss kein Verbrechen im landläufigen Sinne sein. Wie schnell wir im Straßenverkehr mit dem Gesetz in Konflikt geraten können, findet sich sehr anschaulich im Paragrafen 315c im Strafgesetzbuch. Gelesen? Hättet ihr das gedacht?

Und ob dann Vorsatz oder Fahrlässigkeit vorliegt, entscheidet der Einzelfall. Im "worse case" mal wieder vor Gericht.

Da gibt es nur drei Möglichkeiten
  1.  Immer schön vorsichtig sein, 
  2. eine gute Rechtsschutzversicherung haben oder 
  3. Unfall- und Berufsunfähigkeitsbedingungen, die über den Standardschutz hinausgehen.
Bei ersterem können wir euch nicht helfen - bei Punkt zwei und drei sind wir für euch da! :)
  
Viele Grüße,

Euer Mark
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Gute Beratung gibt´s bei uns. Selbstverständlich auch Online.


Samstag, 21. März 2015

Lesetipp: "Die Psychologie des Überzeugens" samt Video



Hast du dich schon einmal - kopfschüttelnd über dich selbst - gefragt, warum du etwas gekauft oder einen Vertrag unterschrieben hast? Obwohl wir uns alle für vernunftbegabte und wenig manipulierbare Menschen halten, passiert das öfter, als der ein oder andere zugeben möchte.

Ich fand das Thema "Verkaufspsychologie" schon immer spannend und habe in den letzten Jahren Tausende an Seiten rund um Coaching, Manipulation und Körpersprache gelesen. Es war viel Quatsch und auch viel "Allerweltsgewäsch" dabei - aber in dem Buch, das ich euch heute ans Herz legen möchte, findet sich (fast) alles, was zu Wissen Sinn macht.

Mit dem Berater auf Augenhöhe


Jeder "verkauft" irgendetwas. Jeden Tag. Ob die Kinder ihren Eltern "längeres Aufbleiben dürfen" verkaufen oder die Bäckereifachverkäuferin das Angebot des Tages. Aber einige sind Profis und andere eher Laien auf dem Gebiet.

Mittwoch, 18. März 2015

Versicherung-Deutsch: Abstrakte und konkrete Verweisbarkeit


Heute starten wir unsere Rubrik: "Versicherung - Deutsch", in der wir die Stammessprache der grauen Männer aus dem Versicherungsdschungel für euch übersetzen. 

Beginnend mit zwei eng verwandten Begriffen, die ihr im Kleingedruckten der Berufsunfähigkeitsversicherungen findet: "Abstrakte" und "konkrete Verweisbarkeit".

Freitag, 13. März 2015

Was mit Miriam geschah und ein Re-Blog


Wer den Post zu "Miriam und die DVAG" letzte Woche gelesen hat - oder auch den Beitrag zur Beweislastumkehr bei Kündigung von Vorsorgeverträgen, der weiß, wie ich zu Strukturvertrieben stehe: Eine große Herde schwarzer Schafe, die blökend einem Einpeitscher hinterherläuft und dabei ohne jede Rücksicht Kunden über den Leisten zieht und den Ruf der Finanzbranche ruiniert.

Danke, weiße Schafe!


Ein paar weiße Schafe muß es dort allerdings geben, sonst wäre das hier nie ans Licht der Öffentlichkeit gelangt:

Samstag, 7. März 2015

Strukturvertriebsopfer sind kein Einzelfall: Ein brandaktuelles Beispiel aus dieser Woche

Kurz vorweg: Als ich selbst das erste Mal mit einem Strukturvertriebler (in dem Fall ein AWDler, heute "Swiss Life Select") zu tun bekam, zog dieser mich im Gespräch rhetorisch "auf links". Das ist jetzt über zehn Jahre her, ich war fachlich gut ausgebildet, konnte ihm aber "verkäuferisch" nicht die Stirn bieten. Kurz nach dem Gespräch war ich selbst verblüfft darüber, wie einfach ich zu manipulieren und wie leicht Fakten zu verdrehen waren. Eine Erfahrung, die bitter schmeckt.

Nach etwas Recherche wurde mir klar, wie er es geschafft hatte: Durch simple Lügen und Halbwahrheiten. Und durch gut trainierte Floskeln. Ich habe mich seit damals intensiv mit Manipulationstechniken und Verkäufertricks auseinandergesetzt (auch hier im Blog zu lesen), damit mir so etwas nie wieder passiert.

Der ganz normale Mensch da draußen hat selten eine derartige "Immunisierung" hinter sich. Ich glaube, dass das, was meiner ehemaligen Kundin passiert ist, fast jedem passieren kann. Damit es dir nicht passiert, schreibe ich heute darüber. :)

Ein Hilferuf nach zwei Monaten

Vor einer Woche schrieb mich eine liebe Ex-Kundin an und bat um Hilfe.